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Politik Der alte Kontinent rückt zusammen Die größte Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union ist vollzogen. Hunderttausende Menschen feierten europaweit den historischen Schritt. Die nunmehr 25 EU-Staats- und Regierungschefs stießen im irischen Dublin auf das «neue Europa» an.
Gefeiert wurde auch an vielen deutschen Grenzorten. Auf der Oderbrücke zwischen Frankfurt (Oder) und dem polnischen Slubice öffneten punkt 0.00 Uhr Bundesaußenminister Joschka Fischer und sein polnischer Amtskollege Wlodzimierz Cimoszewicz symbolisch die Grenze und reichten sich die Hände. Groß gefeiert wurde auch im Dreiländereck bei Zittau in Sachsen. Am Dreiländerpunkt hissten Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Amtskollegen Leszek Miller und Vladimir Spidla aus Polen und Tschechien gemeinsam die Europa-Flagge. Schröder forderte die EU-Bürger auf, den europäischen Einigungsprozess mit Leben zu erfüllen. Im Anschluss flogen Schröder, Miller und Spidla nach Dublin zur offiziellen EU-Erweiterungsfeier. Zu den Klängen der Europahymne «Ode an die Freude» wurden dort im Phoenix Park die Fahnen der 15 alten und 10 neuen Mitglieder aufgezogen. Der amtierende EU-Ratspräsident Bertie Ahern rief die Staats- und Regierungschefs auf, die Geschichte Europas nicht zu vergessen. «Aus Krieg haben wir Frieden geschaffen, aus Hass Achtung, aus Teilung Einigung, aus Diktatur und Unterdrückung lebendige und stabile Demokratien, aus Armut Wohlstand.» Zugleich appellierte Ahern an die EU-Staaten, so rasch wie möglich ihren Streit um die EU-Verfassung beizulegen: «In einem Europa der 25 brauchen wir ein effektives System, um handlungsfähig zu bleiben.» Ahern gab sich aber zuversichtlich, noch im Juni zu einer Einigung zu kommen. Zum Abschluss der offiziellen Feiern lud die irische Präsidentin Mary McAleese die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Galadinner. Europa, so sagte sie unter Anspielung auf die EU-Kritik von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sei sicherlich «ein alter Kontinent». Doch sei auch klar: «Unsere Union ist jung. Und wir sind erst am Anfang unserer Möglichkeiten.» Die europäische Einigung in historischer Sicht Die Aufnahme der zehn neuen Staaten in die EU ist bereits die fünfte Erweiterungsrunde der Europäische Union und zugleich die größte in ihrer Geschichte. Damit wächst die Union auf 25 Mitgliedsländer an, in denen 455 Millionen Menschen leben.
1967 wurden diese drei europäischen Organisationen per Fusionsvertrag zu den Europäischen Gemeinschaften (EG) erklärt. 1973 kamen mit Großbritannien, Irland und Dänemark erstmals drei Länder zur EG hinzu. Im darauffolgenden Jahrzehnt traten Griechenland (1981) sowie Spanien und Portugal (beide 1986) bei. Die vierte Erweiterung bildeten Österreich, Schweden und Finnland (1995), die bereits Mitglieder der 1993 gegründeten Europäischen Union (EU) wurden. Im Dezember 2002 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der damals 15 EU-Mitglieder in Kopenhagen die als «historisch» bezeichnete Osterweiterung um 10 Staaten: Zum 1. Mai 2004 traten nun neben Malta und Zypern auch Ungarn, Polen, Tschechien, die Slowakei und Slowenien, sowie die drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen der EU bei. Schon absehbar ist die sechste Erweierungsrunde zum 1. Januar 2007 von Bulgarien und Rumänien, mit denen bereits die Beitrittsverhandlungen laufen. Auf der zentralen Mai-Kundgebung der Gewerkschaften in Berlin hat DGB-Chef Michael Sommer die Politik der Bundesregierung scharf attackiert. Die Agenda 2010 sei zum «Synonym für eine Zwei-Drittel-Gesellschaft» geworden, sagte Sommer vor Tausenden Teilnehmern in Berlin. Die Regierung habe offenbar ein Drittel der Bürger «abgeschrieben». Die Regierung versuche nicht einmal, die Lasten gerecht zu verteilen. Auch ignoriere sie die Massenproteste der Gewerkschaften vom 3. April. «Dieser Politik werden wir uns weiter in den Weg stellen. Wir werden protestieren, bis es endlich besser wird für die Masse der Bevölkerung. Wir werden nicht Ruhe geben, bis sie endlich zur Besinnung kommt», sagte der DGB-Chef. Die Gewerkschaften kämpften gegen Niedriglöhne, Arbeitszeitverlängerungen zum Nulltarif und Zumutbarkeitsregeln, die nur eine Aufforderung zum Lohndumping seien. Forderungen nach Abschaffung des Mai-Feiertages erteilte Sommer eine klare Absage. «Der 1. Mai ist ein gesetzlicher Feiertag für die arbeitenden Menschen, und er wird es bleiben, aller Politclowns zum Trotz.» Der 1. Mai bleibe auch Kampftag der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften. Dieser Tag sei hart erkämpft. «Wir lassen ihn uns von niemandem rauben», stellte der DGB-Chef klar. Sommer warnte ferner vor einer weiteren Lockerung des Ladenschlussgesetzes. «Hört auf mit dieser Ladenschluss-Debatte, das haben die Verkäuferinnen und Verkäufer nicht verdient.» Freiheit bestehe nicht darin, «sieben Mal 24 Stunden einkaufen zu können.» Der DGB-Chef warnte davor, die EU-Erweiterung als «Allzweckwaffe gegen Sozialstaatlichkeit und anständige Arbeitsbedingungen» einzusetzen. Dies sei ein «mieses Spiel» jener Unternehmen, die mit Abwanderung drohten. «Wir wollen soziale Gerechtigkeit in der gesamten Europäischen Union» und kein «Europa der Konzerne», sagte Sommer. «Wir wollen kein Europa, in dem man drei Jobs braucht, um einigermaßen anständig über die Runden zu kommen», fügte er hinzu. Der Westen hat nach Ansicht von Präsidentschaftskandidat Horst Köhler nach der Wende gravierende Fehler beim Aufbau Ost gemacht. «Aus heutiger Sicht ging der Abbau industrieller Arbeitsplätze zu weit, deshalb fehlt es im Osten heute zum Teil an produzierendem Gewerbe», sagte der Kandidat von Union und FDP für das Amt des Bundespräsidenten. «Und was vielleicht noch wichtiger ist: Wir haben zu wenig auf die Gefühle der Menschen geachtet und wohl auch nicht ausreichend geprüft, ob manches von der damaligen DDR nicht hätte übernommen werden können.» Als Beispiele nannte Köhler «das andere Rollenverständnis» der ostdeutschen Frauen und die Kindererziehung. «Wir hätten die Wiedervereinigung für umfassende Reformen nutzen sollen, gerade auch in Westdeutschland», sagte Köhler weiter. «Wir hatten geglaubt, im Westen wäre alles in Ordnung. Aber das war zu kurzsichtig gedacht - und auch zu selbstgerecht. Und dadurch haben wir es versäumt, unsere ökonomische Basis insgesamt zu stärken. Außerdem haben wir jedes Gesetz und nahezu jede Regel eins zu eins auf den Osten übertragen. Das war ein großer Fehler.» Kampfjet "Eurofighter" eingeführt Bei der Bundeswehr hat das «Eurofighter-Zeitalter» begonnen. Laage ist der erste fliegende Verband der deutschen Luftwaffe, der mit dem leistungsfähigsten Mehrzweckkampfflugzeug der Welt ausgerüstet wird. In Laage sind erst einmal fünf «Eurofighter» stationiert. Das Geschwader wird insgesamt über 34 verfügen. Bis 2015 will die Luftwaffe für ihre Verbände 180 «Eurofighter» im Wert von 20 Milliarden Euro anschaffen.
Der Kampfjet wird zusammen von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien in einer Gemeinschaftsproduktion hergestellt. Für das größte Rüstungsprojekt Europas sollen 620 Maschinen angeschafft werden. Bei EADS in Manching wird der Rumpfteil des «Eurofighters» gebaut. Debatte um Zukunft der Wehrpflicht Die Zukunft der Wehrpflicht in Deutschland bleibt im Bundestag heftig umstritten. Während Grüne und FDP im Parlament erneut die Umstellung auf eine Freiwilligenarmee forderten, traten Vertreter von SPD und Union nachdrücklich für eine Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht ein. Auf Ablehnung bei Koalition und Opposition stießen Forderungen nach Einführung eines sozialen Pflichtjahrs. Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Hans Georg Wagner, betonte: «Die Bundeswehr braucht die Wehrpflichtigen.» Ohne Wehrpflicht bleibe nur die Wahl zwischen einer deutlichen Erhöhung des Verteidigungshaushaltes oder einer drastischen Reduzierung des Bundeswehr-Umfangs. Solche Reduzierungen würden jedoch die Erfüllung der internationalen Verpflichtungen Deutschlands zumindest im derzeitigen Umfang in Frage stellen. Auch sei die mögliche Entfremdung zwischen einer Freiwilligenarmee und der restlichen Gesellschaft «eine »reale Gefahr«. Der Unions-Verteidigungsexperte Christian Schmidt (CSU) wandte sich gegen die Vorstellung, eine »professionellere Armee ohne Wehrpflichtige wäre besser« und billiger. Wer dies glaube, solle sich einmal die entsprechenden Erfahrungen der NATO-Partner ansehen, die die Wehrpflicht abgeschafft haben. »Dass die professionellere Armee klüger und besser und intelligenter wäre, das habe ich bisher nirgendwo feststellen können«, fügte Schmidt hinzu. Der SPD-Abgeordnete Hans-Peter Bartels sagte, er persönlich halte die Wehrfplicht weiterhin für die »zeitgemäße Wehrform«. In seiner Fraktion gebe es hierüber aber eine breite Diskussion. Im kommenden Jahr werde die SPD auf einem Parteitag beschließen, ob sie für eine Aussetzung der Wehrpflicht sei oder nicht. Bartels verwies zudem auf die Koalitionsvereinbarung, die Wehrform bis zum Ende der Legislaturperiode zu überprüfen. Diese Prüfung sei »ergebnisoffen«. Grünen-Fraktionsvize Winfried Nachtwei betonte, die Wehrpflicht-Frage sei »völlig ungeeignet, um einen Spalt in die Koalitionsfraktionen hineinzutragen«. Es gebe hier »zum Teil quer durch die Fraktionen« unterschiedliche Auffassungen, doch habe sich die Koalition auf ein Verfahren zur Lösung dieser Frage verständigt und halte dies auch durch. Der Grünen-Abgeordnete betonte allerdings zugleich, die »Tage der Wehrpflicht« seien »sichtbar gezählt". Daher müsse endlich offener über den Umstieg auf eine Freiwilligenarmee diskutiert werden. Die FDP-Abgeordnete Ina Lenke entgegnete, ihre Fraktion habe bereits Konzeptionen zum Umbau der Bundeswehr zu einer Berufsarmee. Darüber könne im Mai abgestimmt werden. Lenke unterstrich zugleich, die derzeitge Einberufungspraxis sei verfassungswidrig. Hintergrund der Debatte war die Entscheidung des Kölner Verwaltungsgerichtes, in der die Einberufungspraxis der Bundeswehr als rechtswidrig eingestuft wurde. Derzeit würden weniger als die Hälfte aller wehrpflichtigen Männer zum Dienst heranzogen, erklärten die Richter. Dies verstoße gegen das Willkürverbot des Grundgesetzes. Presse Kommentare der deutschen Zeitungen Neue Osnabrücker Zeitung Ungarns Stephanskrone auf den Häuptern französischstämmiger Monarchen, Österreicher auf spanischen Thronen, Sizilianer, Flamen und Holländer als deutsche Könige - im Europa des Mittelalters und der frühen Neuzeit war das eine Selbstverständlichkeit. Erbansprüche oder Wahl und der rechte Glauben begründeten hinlänglich die Loyalität der Untertanen zum Herrscher und - soweit schon vorhanden - zum Staat. Mit dem Werden der Nationen moderner Prägung seit dem 17. Jahrhundert haben solche Universalmodelle ausgedient. Erst recht, seit die Ideologen der Rasse, Klasse oder Nation Europa in apokalyptische Kriege gestürzt und gespalten haben. Wenn die eben erweiterte Europäische Union mehr als nur die Summe von 25 Staaten und wirklich zur politischen Klammer von 455 Millionen Bürgern werden soll - woran kann sich deren Zugehörigkeitsgefühl dann festmachen? Bis jetzt vor allem an den Vorteilen des gemeinsamen Marktes, die den Geldbeutel füllen. Sie sind wichtig, aber auf Dauer zu wenig. Religion, Sprache, Volksgruppe, Nationalität scheiden als politische Bezugspunkte zum multikulturellen Europa aus. Was bleibt, ist die gemeinsame Verfassung. Gerade die Geschichte der Bundesrepublik belegt es ja: Ein Grundgesetz, das Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie garantiert, weckt den Patriotismus der Bürger. Im Deutschland nach 1945 wäre jedenfalls allein mit dem ungefilterten Stolz auf Nation oder Volk kein Staat mehr zu machen gewesen. Und in ethnisch extrem vielfältigen Gesellschaften wie in Brasilien oder den USA erweist sich die Verfassung erst recht als Bindemittel. Was zeigt: Es ist alles andere als ein abgehobenes, bürgerfernes Anliegen, der EU endlich eine Konstitution zu geben. Erst ein gemeinsames Grundgesetz, das die Union handlungsfähiger macht und demokratisch klarer legitimiert als bisher, sichert auf dem Weg zur europäischen Einigung das bisher Erreichte und verschafft die Grundlage, um weiter zu wachsen.» Neue Presse (Hannover) Lautstark forderten die Gewerkschaften am 1. Mai einen Kurswechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Dabei scheint die längst weichgeklopft und bereit, das Steuer herumzureißen. Die Devise: Neue Schulden braucht das Land. Schluss mit dem Sparkurs, her mit dem Wachstum, keine weiteren sozialen Einschnitte, schließlich stehen jede Menge Wahlen an. Doch das Aufweichen der vom Ansatz her richtigen Reformpolitik sendet das fatale Signal aus: Deutschland bewegt sich doch nicht. Berlin bejubelt das größer gewordene Europa und schert sich gleichzeitig einen Teufel um die EU-Defizitkriterien.» General-Anzeiger (Bonn) «Frei, gleich, gerecht - so wünschen sich die Gewerkschaften das neue Europa. Für Arbeitnehmer in Deutschland und für ihre Vertreter wird dies Verzicht bedeuten. Denn aus der Sicht von Beschäftigten in Osteuropa bedeutet dieser Dreiklang, dass sie ihre Arbeitskraft auf einem freien Markt anbieten können, um sich ihren gerechten Anteil am Wohlstand zu sichern. Sie nehmen keine Rücksicht auf deutsche 35-Stunden-Wochen, großzügige Urlaubsregelungen oder Tariflöhne. Diesem Wettbewerb müssen sich die Beschäftigten hier zu Lande stellen. Von den Gewerkschaften kann man legitimerweise nicht erwarten, dass sie in Jahrzehnten erkämpfte Errungenschaften bedenkenlos über Bord werfen. Erwarten aber kann man, dass sie ihren Mitgliedern nicht länger die Illusion vermitteln, diese Entwicklung sei die Erfindung einiger Neoliberaler, die man mit entschlossenem Widerstand aufhalten könne.» Freie Presse (Chemnitz) «Das ist ja das besondere deutsche Problem: Hier herrscht nicht einmal Einigkeit über das Ausmaß der Herausforderung, die da aus Osteuropa auf die alte EU zurollt. Die Neuen werden aber nicht warten, bis speziell die Deutschen wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt sind, sondern sie werden ihre Vorteile, wie tiefe Lohnkosten und steuerlich günstige Rahmenbedingungen, ab sofort noch konsequenter ausspielen. Niemand muss Hellseher sein, um zu ahnen, dass die deutschen Reformanstrengungen deshalb lange noch nicht an ihrem Ende angelangt sein können. Spekulationen und Dementis über einen bevorstehenden radikalen Kurswechsel der Bundesregierung in ihrer Sparpolitik sind in diesem Zusammenhang natürlich nicht überraschend. Sie offenbaren nur die ganze Zerrissenheit hierzulande. Das Beste, was Deutschland durch die EU-Erweiterung passieren kann, wäre, dass es endlich den Ernst der Lage begreift.» Wirtschaft Positive Tendenz in Tourismuszahlen Nach einer konstanten Übernachtungszahl im vergangenen Jahr rechnet die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) für 2004 mit einem Anstieg. Deutschland sei «mit Schwung ins Jahr 2004 gestartet», sagte Vorstandsvorsitzende Petra Hedorfer in Hamburg. In den ersten beiden Monaten sei die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent gestiegen. Für das ganze Jahr prognostizierte sie ein Plus von 2,5 Prozent. Für 2005 erwartet die DZT, dass die Gäste aus dem In- und Ausland insgesamt etwa 2,5 Prozent mehr Übernachtungen buchen werden. Zuwachspotenzial gibt es nach Einschätzung der Tourismuszentrale vor allem bei Gästen aus Spanien, Italien und Schweden. Doch auch der EU-Beitritt der osteuropäischen Staaten werde wichtige Impulse bringen. Mit den Zahlen des vergangenen Jahres zeigte sich Hedorfer zufrieden. «Deutschland hat sich im schwierigen Reisejahr 2003 sehr gut behauptet», betonte sie. Mit insgesamt 338,6 Millionen Übernachtungen wurde den Angaben zufolge das Vorjahresniveau erreicht. Ausländische Gäste buchten in Deutschland 41,8 Millionen Übernachtungen, 2,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Übernachtungen deutscher Gäste ging um 0,4 Prozent auf 296,8 Millionen zurück. Die deutsche Automobilindustrie erwartet ein weiteres starkes China-Geschäft. Die Branche könne «auf absehbare Zeit mit hohen Zuwachsraten rechnen», prognostizierte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, anlässlich des Besuchs von Ministerpräsident Wen Jiabao in Deutschland. Gottschalk verwies darauf, dass die deutschen Hersteller im vorigen Jahr in China rund 700 000 Autos produziert und abgesetzt haben. Das entspreche einem Marktanteil von 36 Prozent. Im ersten Quartal habe sich das Wachstum des chinesischen Automarkts auf 48 Prozent belaufen, erklärte der VDA-Chef. Für das Gesamtjahr werde mit einem Plus von 20 Prozent gerechnet. Daran dürften die deutschen Hersteller einen erheblichen Anteil haben. Im Vorjahr wuchs der Automarkt China laut VDA-Angaben um 75 Prozent auf knapp zwei Millionen Fahrzeuge. Die inländische Produktion kletterte um 85 Prozent. In China sind die deutschen Fahrzeughersteller derzeit vor allem mit Joint Ventures aktiv. Volkswagen fertigt mit mehr als 20 000 Mitarbeitern Autos in Changchun und Shanghai, BMW in Shenyang und DaimlerChrysler in Peking. Zugleich seien auch deutsche Zulieferer an rund 100 Standorten in China mit ebenfalls 20 000 Mitarbeitern präsent, erklärte Gottschalk. Chinas Ministerpräsident Jiabao hatte die Audi AG in Ingolstadt besucht und war dort mit VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und dem Audi-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn zusammengetroffen. Wie VW mitteilte, will Europas größter Autobauer gemeinsam mit dem chinesischen Partner Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) ein neues Fahrzeugwerk in China bauen. Spritpreise in Deutschland steigen Der deutlich spürbare Anstieg der Spritpreise ist jetzt vom Minerölwirtschaftsverband (MWV) mit den April-Zahlen belegt worden. Wie der Branchenverband in Hamburg mitteilte, kostete der Liter Superbenzin bundesweit mit über 1,13 Euro pro Liter 3,5 Cent mehr als im Vormonat. Diesel war mit 91,1 Cent im Schnitt um 3,2 Cent teurer. Den Anstieg rechtfertigte der MWV mit einer «Rallye der Großhandelspreise für Benzin am Rotterdamer Markt». Angesichts der starken Frühjahrsnachfrage sei der Benzinpreis dort seit Jahresbeginn «um über 43 Prozent nach oben geschossen». Allein im April habe sich Benzin dort um fast 17 Prozent verteuert. Der Dieselpreis habe zugleich mit einem Plus von rund sechs Prozent etwas weniger zulegt. Den Steueranteil am Benzinpreis als wichtigen Preisfaktor bezifferte der Branchenverband für April auf 81,1 Cent je Liter. Dieser mache damit rund 72 Prozent des Verkaufspreises aus. Strumpfwerk Lindner GmbH in Chemnitz Wenn der Juniorchef der Strumpfwerk Lindner GmbH in Hohenstein-Ernstthal seinen Besuchern die aktuelle Musterkollektion offenbart, zeigt er bestimmt zu 90 Prozent tiefdunkle Socken. «Die Modefarbe für anspruchsvolle Herrenstrümpfe ist nun mal Schwarz», erläutert der Geschäftsführer der ältesten deutschen Strumpffabrik im Familienbesitz, der die vierte Generation der Unternehmenslenker verkörpert. Seit 1890 befasst sich die Familie Lindner mit der im Großraum Chemnitz damals stark verbreiteten Herstellung von Beinkleidern. Urgroßvater Theodor Lindner gründete die Firma in Wittgensdorf und zog 1912 an die Goldbachstraße in Hohenstein-Ernstthal, wo heute noch produziert wird. Die auf Ölbildern im holzgetäfelten Büro verewigten Ahnen wären vermutlich recht zufrieden mit der dritten und vierten Generation: Sie haben dem Unternehmen den Namen wiedergebracht und versuchen ihn wie in den besten Zeiten der sächsischen Maschenindustrie in die Welt zu tragen. In den vergangenen 50 Jahren erlebte das Unternehmen staatliche Beteiligung, Halbstaatlichkeit, Zwangsumwandlung in einen volkseigenen Betrieb und schließlich den Verlust der selbstständigen Geschäftstätigkeit durch Einbindung in das DDR-Strumpfkombinat. Immerhin blieb das Hauptprodukt stets dasselbe: Herrensocken. Auf diesem Gebiet wollte Thomas' Vater Andreas Lindner, der zwischenzeitlich als Fachdirektor im Strumpfkombinat tätig gewesen war, nach der Wende weitermachen. Jedoch dauerte es ein paar Jahre, bis die wegen verschiedener Erben komplizierte Rückgabe über die Bühne gegangen war. Mit 40 Mitarbeitern gestartet, beschäftigt die Lindner GmbH heute rund 90 Menschen. «Anfangs konnten wir auf arbeitslos gewordene Fachkräfte in der Region zurückgreifen», erzählt Thomas Lindner. Inzwischen hätten sich der Maschinenpark und der Fertigungsprozess aber völlig gewandelt. Seit fünf Jahren werden junge Leute ausgebildet. Sie sind nicht Strumpfstricker, sondern Mechatroniker, müssen programmieren können und in Fremdsprachen fit sein. Anfangs sei die Suche nach Lehrlingen schwierig gewesen. Der Textilindustrie hafte durch den starken Einbruch nach der Wende ein schlechtes Image an. Durch die Partnerschaft mit einer Schule in Oberlungwitz sei es gelungen, schrittweise Vorbehalte abzubauen. Die Jugendlichen können Ferienpraktika und Betriebsexkursionen absolvieren. «Wir waren da Vorreiter im Regierungsbezirk Chemnitz», sagt Lindner. Verschiedenes
Im Berliner Max-Liebermann-Haus am Pariser Platz öffnete die Ausstellung «Verehrt und Verfemt. Chagall und Deutschland» ihre Pforten. Die von der Stiftung «Brandenburger Tor» organisierte Schau zeigt die nicht einfache Beziehung zwischen Chagall und Deutschland, die den Künstler ein Leben lang beschäftigte. Die Gemeinschaftsausstellung mit dem Jüdischen Museum in Frankfurt am Main versammelt 140 Werke des 1930 nach Frankreich ausgewanderten Künstlers. Die Ausstellung ist bis zum 1. August zu sehen. Der letzte Besuch Chagalls in Deutschland galt Max Liebermann in seinem Stadtpalais in Berlin direkt neben dem Brandenburger Tor. Es war Anfang Mai 1930. Chagall wollte seinem herablassenden Malerkollegen beweisen, dass er nicht verrückt sei, «jedenfalls nicht ganz». Der alte Liebermann ließ ihn warten und kümmerte sich dann vor allem um Chagalls Frau Bella. Die zwei Stunden, die das Paar blieb, gestalteten sich am Ende doch einigermaßen erquicklich. Mit einem guten Schuss Diplomatie bemerkte Chagall beim Abschied versöhnlich: «Er ist der größte Maler des 19. Jahrhunderts. Er hat das Graue und Düstere von den Holländern. Ich gehe nach Frankreich zum Licht.» Goethe-Institut präsentiert Theaterregisseure Festivalmacher und Bühneninteressierte können sich auf der Internetseite des Goethe-Instituts über Theaterregisseure in Deutschland informieren. Auf der Homepage finden sich 50 von namhaften Kritikern geschriebene Porträts, die die unterschiedlichen künstlerischen Handschriften von Altmeistern wie Peter Zadek und Dieter Dorn bis hin zu jüngeren Regisseuren wie Armin Petras, René Pollesch und Stefan Kaegi vorstellen, sagte ein Institutssprecher. Jedes Porträt wird ergänzt um Kurzbiografien, eine Werkauswahl wichtiger Inszenierungen und Links zu aktuellen Produktionen. Der deutsche Beitrag auf der Architektur-Biennale in Venedig (12. September-7. November) widmet sich in diesem Jahr städtischen Randbereichen. Im Mittelpunkt stehe die «Verwandlung suburbaner Landschaften, Vorstädte und Nischen durch architektonische Eingriffe», kündigte die Generalkommissarin des deutschen Beitrages, Francesca Ferguson in Berlin an. Vorgestellt in der «Deutschlandschaft - Epizentren der Peripherie» werden 38 Bauprojekte an 27 Orten, die zwischen 2000 und 2004 entstanden. Sie werden im deutschen Pavillon in einer rund 100 Meter langen fotografischen Collage präsentiert, die den Eindruck einer Fahrt durch die Landschaft erwecken soll. Die internationale Architekturausstellung in Venedig findet zum neunten Mal statt und steht unter dem Gesamtmotto «Metamorph». Sie bietet einen Überblick über aktuelle Strömungen in der Architektur. Der deutsche Pavillon wurde 1909 auf dem Biennale-Gelände errichtet und 1938 umgebaut. Zu den in diesem Jahr vorgestellten deutschen Beispielen gehören das Werksschwimmbad in der Kokerei Zollverein Essen, die Bebauung einer engen Baulücke in Köln von Manuel Herz sowie ein schwimmender Imbiss-Ponton. Neben Fotografien der Projekte, die in der Collage von Landschaftsbildern umrahmt werden, werden auch Erklärtexte geboten. Auf Videoscreens sind Gespräche mit Bauherren sowie Interviews mit Architekten und Planern zu sehen. Sie zeigten, dass die vorgestellten Projekte das Ergebnis «intensiver und zum Teil sehr kontroverser Dialoge» zwischen Architekten, Planern, Wissenschaftlern, Bürgern und Gemeinden seien. Ferguson betonte, für Architekten sei es schwierig, solche Orte durch ihre «Handschrift» zu prägen. Die Projekte zeigten aber, dass die Architekten dort als «Katalysatoren» wirkten. Die «Ränder» seien ein wichtiges Experimentierfeld für sie geworden. Berliner Philharmoniker in Athen Die Berliner Philharmoniker gaben am 1. Mai ihr diesjähriges Europakonzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle im Athener Herodes Attikus Theater. In dem berühmten Freilufttheater wurden das Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll von Johannes Brahms mit Daniel Barenboim als Solist und das Klavierquartett in g-Moll in der Orchesterfassung von Arnold Schönberg aufgeführt. Dabei traten Barenboim und Rattle erstmals gemeinsam bei einem Konzert auf. Die Berliner Philharmoniker feiern den Tag ihrer Gründung (1. Mai 1882) seit 1991 in jedem Jahr mit einem besonderen, im Fernsehen übertragenen Konzert an einem kulturgeschichtlich bedeutenden Ort Europas. Das erste Europakonzert gaben sie in Prag. Dirigent war damals Claudio Abbado. Seither gastierte das Orchester in Madrid, London, Meiningen, Florenz, St. Petersburg, Versailles, Stockholm, Krakau, Berlin, Istanbul, Palermo und zuletzt unter Leitung von Pierre Boulez in Lissabon.
Ruth Leuwerik - eine Ausstellung
Beleuchtet wird in der Schau auch die Zusammenarbeit Leuweriks mit Regisseuren, Filmpartnern, Produzenten und Kameramännern. Der 50er-Jahre-Star dreht an der Seite von Partnern wie Dieter Borsche oder Curd Jürgens mit Regisseuren wie Helmut Käutner und Wolfgang Liebeneiner. Bekannt wurde Leuwerik in Filmen wie «Ein Herz spielt falsch», «Königliche Hoheit» und «Die Trapp-Familie». Die Bedeutung der Musikwirtschaft nimmt zu Rund 200 Experten aus Musikwirtschaft und Kulturpolitik hatten zwei Tage über die Frage diskutiert, "wie es um die Musikwirtschaft wirklich steht". Dabei ging es nach Veranstalterangaben auch um den politischen Handlungsbedarf, der für die Zukunft der Musikbranche notwendig ist. Ziel des Kongresses war es, Probleme in diesen Themenbereichen zu formulieren und den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik anzukurbeln. Analysiert werden sollten nach Angaben der Veranstalter neben der Konzertwirtschaft die Phonoindustrie, das Musikverlagswesen, das Künstlermanagement und die Musikproduktion. |